„du pâturage“

Berger des Pyrénées aus der Zuchtstätte von Udo Kopernik

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Mücken

Umgangssprachlich sind sie fast ausgestorben. Kaum noch jemand sagt Mücken, wenn er eigentlich Geld meint. In der Natur sind die Quälgeister aber äußerst präsent, auch wenn sie jetzt noch nicht Hochkonjunktur haben. Dabei ist Mücke nicht gleich Mücke. Und nicht jede Mücke fühlt sich überall gleich wohl. Gleichwohl ändern sich aber auch Umweltbedingungen und damit die Wohlfühlbedingungen für Mücken. Entlang des Rheingraben in Süddeutschland gingen bereits 2001 mehr als hundert Exemplare der Sandmücke Wissenschaftlern in die Falle. Diese Mückenart hat hier eigentlich nichts zu suchen und ist ursprünglich in wärmeren Regionen zu Hause, so etwa in den europäischen Mittelmeerländern. Auf den ersten Blick erscheint die Ausweitung der Sandmücke nur für den Biologen spannend. Dem unfreiwilligen Blutspender kann es ziemlich egal sein, welcher Mücke er Tribut gezollt hat. Lästig ist es so oder so. Wenn man allerdings weiß, dass die Sandmücken der Mittelmeerregion Überträger der Leishmaniose sind, stellt sich natürlich die Frage, ob Sandmücken im Rheingraben so was auch können. In diesem Fall ist es den Mücken vermutlich egal, ob sie so was kann oder nicht, ändert sich doch für sie dadurch wenig. Betroffenen Patienten – gleich ob Mensch oder Hund – geht es da aber mit Sicherheit anders. Ein Mückenstich ohne Leishmaniose-Übertragung juckt und ist nach ein paar Tagen vergessen. Mit sieht es da schon anders aus. Denn von einfachen Hautveränderungen bis hin zur tödlichen Allgemeinerkrankung hat der Erreger eine Menge zu bieten. Aber wie gesagt: Sandmücken hat man in Deutschland entdeckt – Leishmaniose übertragende Mücken noch nicht. Denn ob die einheimischen Blutsauger Tropenkrankheiten übertragen können, muss erst noch untersucht werden. Damit beschäftigt sich zum Beispiel die Parasitologen der Uni Bonn. Und die kommentieren die Situation so: „Es gibt um uns herum (gemeint sind unsere Nachbarländer) eine Reihe von Krankheitserregern, die bei uns noch nicht nachgewiesen sind, weil niemand danach gesucht hat..“ Nicht nur weil diese Aussage in anderem Zusammenhang von George W. Bush stammen könnte, klingt das alles andere als beruhigend. Umweltfaktoren, Tiertransporte und intensiver Reiseverkehr stellen schwer kalkulierbare Risiken dar. So gilt heute schon jeder vierte aus Südeuropa eingeführte Hund als infiziert. Und neben spontan mitgebrachten Hunden aus dem Urlaub gibt es in Deutschland einen mehr oder weniger gut organisierten Import von Vierbeinern aus den Mittelmeerländern. Die bringen zwar keine Mücken mit, können aber ausgezeichnet Viren, Bakterien oder Parasiten beherbergen. Und nicht alle diese Erreger machen sofort oder schnell krank. Dann würde man ihnen auch schnell auf die Spur kommen können, womit sich die Risiken minimieren ließen.  Die Inkubationszeiten, also der Zeitraum von der Infektion bis zum Ausbruch erster Krankheitszeichen kann je nach Erreger aber von einigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten (Leishmaniose) oder sogar bis zu einem Jahr dauern (Babesiose). Wenn jetzt die Mücken in Deutschland noch lernen, die kleinen Biester von einem zum anderen zu transportieren, haben wir den Salat. Das wäre dann Folge einer biologischen Globalisierung. Wie das Umweltbundesamt (UBA) mitteilte, können eigentlich positiv zu bewertende Faktoren die Ausbreitung begünstigen: ehemals trockengelegte Feuchtgebiete wurden als ökologisch wertvolle Lebensräume erkannt und folglich Entwässerungsgräben wieder verstopft und trockengelegte Flächen vernässt, wie zum Beispiel im Feuchtwiesenschutzprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Stechmückenspezialisten warnen heute vor der Anlage neuer Brutplätze, die in Poldern, stillgelegten Güllegruben und auch in Folienteichen den Anophelesmücken gute Lebensbedingungen bieten. Die haben die erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ausgerottete Malaria übertragen. Und während wir jetzt die warmen Tage genießen, sollten wir daran denken, dass Sandmücken und Co es auch gerne warm und feucht haben. Und von Co kann mein Hund in diesem Jahr schon so manches Lied singen – die ersten Zecken durften wir schon im Februar entfernen. Da hoffen wir doch, dass der Hamburger Tropenmediziner Bernhard Fleischer recht hat, der die Studie des UBA für „etwas zu dramatisch“ hält. 

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