„du pâturage“

Berger des Pyrénées aus der Zuchtstätte von Udo Kopernik

cbp-Züchter
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Auf den Hund gekommen

Erste Kontakte

Hunde haben auf mich schon als Kind eine enorme Faszination ausgeübt. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter. Nach dem frühen Tod meines Vaters konnte sie es alleinerziehend nicht ermöglichen, dass ein Hund bei uns einzog. So zog ich denn aus, um den Kontakt mit den Vierbeinern zu suchen. Den fand ich in in der direkten Nachbarschaft, wo ein Deutscher Schäferhund einen kleinen Gewerbetrieb bewachte. Er nahm seine Aufgabe sehr ernst und er hatte nach den Begegnungen mit mir reichlich Bälle und Hosen auf dem Gewissen. Dies tat meiner Begeisterung keinen Abbruch. Auch dem Spitz meines Onkels gelang dies nicht, obwohl zu Pflaster und Mullverbänden auch noch reichlich Vorhaltungen der Erwachsenen kamen

Nett wurde es dann, als auf der anderen Straßenseite ein Boxer einzog. Jede freie Minute nutzte ich für Nachbarschaftsbesuche und da weder die Kleidung noch die körperliche Unversehrtheit litt, bestanden auch im Elternhaus wenig Bedenken. Den freundlichen Nachbarn gilt noch heute mein Dank für die Geduld.

Theorie

hundebuchDanach kreuzten Hunde zwar immer wieder meine Wege, intensiver waren jedoch die theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema und das Studium von Fachlektüre bildete die Grundlage für den Tag, an dem der Kindheitswunsch erfüllt werden konnte. Dieser Tag kam in Sicht, als die Familie  nicht nur gegründet war sondern bestand. Zeit also, um sich nach eine geeigneten Rasse umzusehen.
In der Stadtbibliothek von Wesseling, wo wir damals wohnten, stieß ich auf „Das große Hundebuch“ von Elinor Lipper und darin unter anderem auf den Berger des Pyrénées. Als „guter“ Hund gelangte er nach einer Familienkonferenz in die nähere Auswahl. Das Porträt im Hundebuch: „Er ist ein Gebirgs-Hütehund und vereint in sich alle guten Eigenschaften eines sehr guten Schäferhundes: feines Gehör, Beobachtungsgabe, gute Augen und geringe Größe (10 cm weniger Widerristhöhe als die meisten Schäferhunde). Der Berger des Pyrénées ist sehr intelligent, geschickt, lebhaft, mißtrauisch Fremden gegenüber, doch seinem Herrn treu ergeben. Sowohl wegen seiner Vorzüge bei der Arbeit als auch wegen seines Charakters ein ausgesprochen guter Hund.“ Die Größenangabe war mit 38 bis 50 cm noch halbwegs korrekt angegeben; das im Buch angegebene Gewicht von 18 bis 24 kg ist hingegen etwas hochgegriffen und die Abbildung stimmte auch nicht ganz mit der Realtiät überein.

Berger des Pyrénées in „Das große Hundebuch“

Berger des Pyrénées in „Das große Hundebuch“

Bemerkenswert, dass die Ausgabe von 1974 einen an den Ohren kupierten Hund mit Rute darstellt, während es zu der Zeit Usus war, die Rasse an Ohren und Rute zu kupieren. Auffällig auch die Kopfproportionen des dargestellten Hundes. Fang und Schädel zeigen ein Verhältnis von 1:1 und so unterscheidet sich die Zeichnung kaum von der des Picards auf der gegenüberliegenden Seite. Das ausgeliehene Buch habe ich übrigens brav wieder in die Bücherei gebracht. Jahrzehnte später haben uns Gerd und Sybille Beine, die wussten, wie wir den Berger kennengelernt hatten, uns die beiden Bände aus der Sammlung von Sybilles Vaters geschenkt.

Unabhängig von der fragwürdigen Abbildung war es keineswegs Liebe auf den ersten Blick, die den Pyrenäen-Hütehund und die Familie Kopernik zusammen führte. Zu Beginn hatten wir eine kleine Liste von knapp zehn verschiedenen Rassen, die unser Interesse geweckt hatte und ich erspare es den neun anderen und mir, diese hier aufzuzählen. Den Berger des Pyrénées hätten wir dabei um ein Haar erst gar nicht kennengelernt, denn der seinerzeit zuständige Rassehunde-Zuchtverein im VDH reagierte zunächst auf meine Anfrage nicht. Nach etwas mehr als einem halben Jahr, erhielt ich dann Anfang 1979 einen maschinengeschriebenen Brief von Josef Müller, der gerade Zuchtleiter des Club für Französische Hirtenhunde geworden war und die liegen gebliebene Arbeit seines Vorgängers aufarbeitete. Aber wir hatten Zeit und die Entscheidung war zu dem Zeitpunkt noch nicht getroffen. 

Der Berger des Pyrénées

Astrée l'Etoile du Berger gezeichnet von Sabine Lohse

Astrée l'Etoile du Berger gezeichnet von Sabine Lohse

In einem Interview mit der japanischen Zeitschrift Aiken no tomo wurde ich 2005 gefragt, was mich an dieser Rasse so faszinieren würde, dass ich mit der Zucht begonnen habe. Die Antwort ist auch heute noch aktuell: „Als meine Frau und ich vor beinahe dreißig Jahre entschieden, einen Hund in die Familie zu nehmen, bestand der Plan zu züchten bereits. Hätte das Schicksal uns nicht auf den Berger des Pyrénées aufmerksam werden lassen – unsere erste Hündin hatte die Zuchtbuchnummer-Nummer 20 – würde ich heute vielleicht eine andere Rasse züchten; vielleicht wäre es dann aber nicht über die vielen Jahre die gleiche geblieben. So aber kann ich feststellen, dass wir einfach gut zu dieser Rasse passen und dies wohl auch umgekehrt zutrifft. Die kleinen Hütehunde aus den Pyrenäen haben sich bis heute viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahren können. Die Mischung aus Sensibilität und Einsatzwillen, das Gleichgewicht zwischen Initiative und Zurückhaltung begeistert mich heute genauso wie beim zweiten Kennenlernen – das erste war ziemlich grauenhaft, der Hund überhaupt nicht erzogen und nur darauf bedacht jeden Besuch aus dem Haus zu vertreiben und fernzuhalten.“ Und den Anfang machte dabei Astrée l’Etoile du Berger mit der Zuchtbuchnummer 20 ins Ohr tätowiert. Eine außergewöhnliche Hundepersönlichkeit, die mehr erfüllte als das, was die damals spärliche Lektüre über diese Rasse an Informationen zu bieten hatte. Kein  Wunder – denn was schrieb Josef Müller uns 1979: „Da Sie nach Literatur fragen, muß ich Sie vorerst enttäuschen: deutschsprachige Literatur zum Thema ist leider 1. sehr selten und 2. meistens falsch. … sind meistens unmögliche Fotos und legendenhafte Texte zu finden.” Das hat Josef Müller glücklicher Weise gründlich geändert und inzwischen ist die deutschsprachige Literatur umfassend und führend. Das Buch „Pyrenäen – Schäfer – Hunde“ gibt versandkostenfrei es im Online-Shop des Club Berger des Pyrénées.