„du pâturage“

Berger des Pyrénées aus der Zuchtstätte von Udo Kopernik

cbp-Züchter
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Wer lesen kann, ist im Vorteil

Dies soll keineswegs eine Aufforderung sein, jetzt seinem Hund lesen und schreiben beizubringen. Wer weiß: am Ende gelingt es noch. Und dann kann »Paule« die Tipps und Tricks selber studieren, die ihn zu einem angenehmen Zeitgenossen formen sollen und den Spieß vielleicht auch umdrehen. Aber nicht ohne Grund boomt der Markt einschlägiger Literatur zu alternativen Erziehungsmethoden, zu Spiel und Beschäftigung mit dem Hund, zu Körpersprache und, und, und.

Denn auf der einen Seite macht sich heute mehr und mehr bemerkbar, dass die Fähigkeiten für einen natürlichen und zwanglosen Umgang mit unseren vierbeinigen Kumpanen nicht mit der Muttermilch aufgenommen wurden. Anderseits bietet die heutige Gesellschaft kaum einem noch die Gelegenheit, frühzeitig durch Alltagserfahrungen derartige Kenntnisse zu entwickeln. Man mag dies bedauern, aber unsere westlichen Industriekulturen (eigentlich ein Unwort) haben andere Prioritäten entwickelt. Wer sich hier erfolgreich bewegen will, muss sich z. B. in unserem Straßenverkehr zurechtfinden und ziemlich komplizierte Geräte bedienen können – sonst kommt er unter die Räder. Man wird aber halbwegs zurechtkommen, wenn man nichts – oder fast nichts – über den Umgang mit einem Hund gelernt hat.

 Allerdings – und das ist meine feste Überzeugung – wird man eben besser und erfolgreicher sein, wenn man außerdem etwas über natürliche Zusammenhänge und Hintergründe weiß und sozial kompetent ist. Diese Kompetenz entwickeln Kinder besonders leicht, wenn sie mit Hunden aufwachsen durfen. Allerdings funktioniert das nicht von allein. Das Prinzip: Hund her und das Kind ist beschäftigt und lernt noch was, funktioniert eben nicht. Denn es gibt weder den kinderlieben Hund noch das Kind, das intiutiv richtig mit einem Vierbeiner umgeht. „Wenn die Kinder lieb sind, ist auch der Hund kinderlieb“ hat eine Freundin diesen Hintergrund einmal griffig zusammengefasst. Das bedeutet im Grunde nichts anders, als das die Erziehung eines Kindes den Umgang mit einem Hund einschließen muss. Und wenn hier die Grundlagen für ein harmonisches Miteinander geschaffen wurden, profitieren beide Seite voneinander. Normaler Weise dann der Mensch mehr – aber das schadet in diesem Falle niemanden – im Gegenteil.

Selbstverständlich wirken sich die geänderten Lebensbedingungen auch auf unsere Vierbeiner aus. Sie sind in der Regel arbeitslos und müssen einer viel größeren Menge von Umweltreizen standhalten als früher. Und da sie eben nicht lesen können, muss eben der Mensch dieses Manko kompensieren. Da müssen entsprechende Ersatzbeschäftigungen bereitgestellt werden und da muss auch die Bereitschaft vorhanden sein, seinen Hund an die ihn umgebende Umwelt heranzuführen und zu gewöhnen. Da die meisten heute eher in Städten dicht aufeinander leben, gehört auch Toleranz zum Lehrplan. Die kennt der Hund in der Form, wie wir sie verstehen allerdings überhaupt nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir bei allen züchterischen Bemühungen jemals dahin gelangen werden – was vermutlich auch gut ist. Was man aber jedem Hund beibringen kann, ist, sich an seinem Rudelchef in jeder Situation zu orientieren und  dessen Position in keiner Weise anzuzweifeln. Je mehr Mensch über Hund, seine Kommunikation und sein Verhalten weiß, um so leichter wird er dies vermitteln können. Da ist es natürlich hilfreich, wenn entsprechende Hilfsmittel, wie z. B. gute Literatur, diese Bemühungen erleichtern. Allerdings ist der Markt und die vorhandenen Angebote ziemlich unübersichtlich geworden. Manchmal entsteht der Eindruck, jeder der auch nur meint, etwas von Hunden zu verstehen, müsste auch gleich sein Halbwissen in Buchform verbreiten. Aber Hand auf’s Herz: früher war nicht alles besser. Denn da gab es in diesem Segment nur ein äußerst überschaubares Angebot und davon dann nicht wenige mit zweifelhaften Inhalt. Ich erinnere mich noch gut an den Hinweis in einem dieser „Ratgeber“, die Hausfrau soll den widerspenstigen Vierbeiner mit den Schrubber in die Abstellkammer befördern, denn der Schrubber sei die „natürliche Waffe“ der Frau. Da sind am (männlichen) Autor vermutliche einige Dinge unbemerkt vorübergezogen.

Aber gerade in jüngster Zeit gibt es eine Vielzahl ganz hervorragender Neuerscheinungen und überarbeiteter Auflagen, die es lohnen, gelesen (und verstanden!) zu werden. Man muss sich allerdings die Mühe machen, erst einmal kritisch die Spreu vom Weizen zu trennen, oder einen guten Ratengeber kennen, der die richtigen Literaturtipps parat hat: denn nicht alles, was auf den ersten Blick plausibel erscheint, wird einer kritischen Prüfung und vor allem den eigenen Alltagserfahrungen standhalten. Aber anders als bei der Anschaffung eines Hundes gilt hier: lieber einmal zuviel (im Bücherregal) daneben gegriffen als überhaupt nichts begriffen. Daher stimmt es schon: Wer lesen kann, ist im Vorteil – vorausgesetzt er tut es.

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