„du pâturage“

Berger des Pyrénées aus der Zuchtstätte von Udo Kopernik

cbp-Züchter
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Tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker!

Die Suppe, die man sich eingebrockt hat, muss man auch selber auslöffeln – so zumindest ein altes Sprichwort. Wie alt es ist, kann man auch daran erkennen, dass die Zahl der Menschen, die nicht nur wissen, was uns diese Volksweisheit vermitteln will, sondern auch noch den Hintergrund des klugen Sprüchleins kennen, denkbar klein ist. Denn heute sind Suppen gemeinhin nicht mehr alleiniges Angebot bei der alltäglichen Nahrungsaufnahme – höchstens bildet sie in einer delikaten Zubereitung das Entrée für ein Menü. Und die Suppe ist heute auch nicht mehr so dünn und nur mäßig sättigend, dass man ordentlich Brot reinbrocken muss, um das Gefühl der Sättigung zu erreichen; und wer dann den Hals nicht voll kriegt, der hat eben ein ziemlich dröge Pampe auszulöffeln. So war es also früher. Und heute? Ist es da anders?

Es hat zumindest den Anschein. Erst kürzlich geisterte die Meldung durch die Gazetten, dass ein akademisch gebildeter Mensch, die Produzenten von Cola und Schokoriegeln verklagt. Nach jahrelangem, regelmäßigem und intensiven Genuss solcher Produkte, hatte sich bei ihm Zuckerkrankheit eingestellt. Und wer ist Schuld? Natürlich die anderen! Produkthaftung nennt man so etwas mit dem Verweis auf fehlende Warnhinweise. Ich kenne das von meinem Auto. Dessen Betriebsanleitung kann es locker mit jedem Medikamenten-Beipackzettel aufnehmen. Fehlt nur der dort obligatorische Hinweis, dass man in allen Zweifelsfällen seinen Arzt zum Apotheker tragen soll. Aber sonst: einer zwei- bis vierzeiligen Beschreibung der jeweiligen Bedienungseinheit folgt ein riesiger Kasten mit Warnhinweisen, welche Gefahren einem Drohen, benutzt man z. B. das Schiebedach. Wer das Handbuch wirklich bis zu Ende liest (aber wer tut das schon?), dem ist klar, dass der Wagen am besten bis zum Weiterverkauf in der Garage bleiben sollte. Obwohl, ist einem potentiellen Gebrauchtwagen-Käufer ein derartiges Risiko zuzumuten? Aus moralischer Sicht zumindest ein diskussionswürdiger Aspekt.

 Gewährleistungen und Garantien sind eine segensreiche Erfindung. Denn wer für viel Geld eine Ware erstanden hat, hat auch einen Anspruch darauf, dass das Ding funktioniert. So weit so gut. Aber ist unsere moderne Bildungsgesellschaft wirklich so weit verblödet, dass man auf jede Binsenweisheit hingewiesen werden muss? Wenn ich das elektrische Schiebedach meines Autos schließe und dabei noch einen Arm nach draußen recke, um die Familie bei der Ankunft zu begrüßen, werde ich mir den Arm quetschen. Und Quetschungen sind schmerzhaft! Das wird mir auch jeder bestätigen können, der nun gerade nicht das „User-Manual“ meines Fahrzeugs gelesen hat. Die ganzen Hinweise stehen aber nicht ohne Grund darin. Nicht, weil sich beim Hersteller wirklich ernsthaft Sorgen um meine Gesundheit machen würde – die wollen Autos verkaufen -, man macht sich vielmehr ernsthafte Sorgen darum, von mir verklagt zu werden. Und das nicht, weil sie Schund gebaut hätten (bis jetzt funktioniert das Schiebedach tadellos), sondern weil die Produkthaftung heute immer weiter gesteckt wird. Ob dies wirklich ein Segen ist, wie es vordergründig erscheinen mag?

 Was wäre wenn dies alles auch einmal den Hundezüchter treffen würde? „Produkthaftung“ für seine Welpen? Zwei Jahre Garantie – oder livetime warranty? Wie weit sind wir davon noch entfernt? Und wo würde es hinführen? Bedienungsanleitungen für Hunde mit entsprechenden Warnhinweisen? „Ihr Hund braucht regelmäßig Nahrung, die zu Verdauungsprodukten führt. Diese können auch an unerwünschten Stellen abgesetzt werden, führen dort zur Geruchsbildung und können je nach Untergrund auch bleibende Flecken verursachen!“ Ich bin ein absoluter Verfechter seriöser Hundezucht. Wer Hunde züchtet, trägt ein hohes Maß an Verantwortung und er hat verdammt noch mal alles zu unternehmen, damit das Risiko von auftretenden Gendefekten so weit minimiert wird, wie nur möglich; und er hat bei der Aufzucht alles zu unternehmen, damit seine Welpen vernünftig sozialisiert und geprägt werden. Er ist letztendlich auch dafür verantwortlich, dass seine Hunde in die richtigen Hände gelangen. Aber das ist in der Praxis noch komplizierter als die anderen Forderungen. Und wenn er richtig gut sein will, kümmert er sich auch noch um seine Welpenabnehmer, wenn der Hund schon groß ist. Aber selbst, wenn er alles richtig gemacht hat, kann er dann garantieren, dass sein Hund immer gesund und schön brav bleibt. Kann er nicht! Oder er könnte es zumindest nur einmal: nämlich dann, wenn er sich selbst gleich mit einem seiner Welpen abgeben würde. Denn dann könnte er im Alltag sicherstellen, dass auch bei der weiteren Aufzucht und der Haltung nichts falsch gemacht wird.

 Man könnte also den Spieß auch umdrehen. Denn auch der frisch gebackene Welpenbesitzer hat ja ein hohes Maß an Verantwortung. Nicht nur dem neuen vierbeinigen Familienmitglied gegenüber. Denn wenn er seinen Fiffi von einem richtig guten Züchter erhalten hat, darf man sich auch einmal darüber Gedanken machen, dass man ein Stück Verantwortung diesem gegenüber trägt. Denn letztlich führt man dessen Bemühungen und Arbeit nur fort. Und da die entscheidenden Entwicklungsphasen keineswegs abgeschlossen, wenn man einen Welpen übernimmt, kann man auch eine Menge vermasseln.

 Auf der anderen Seite sollte man natürlich das Rad nicht überdrehen und gerade im Umgang mit unseren geliebten Vierbeinern auf keinen Fall die Bodenhaftung verlieren. Wenn die Auswüchse bei Gewährleistungen und Produkthaftungen bei Waren und Gütern schon kuriose und groteske Formen annehmen, muss man diesen Schwachsinn ja nicht mit machen. Allerdings kann ich mich manchmal des Gefühls nicht erwehren, dass man sich auch in Sachen Hund in diese oder zumindest eine ähnliche Richtung bewegt. Man braucht aber nur ein bisschen Phantasie aufzubringen, um sich auszumalen, wem damit am wenigsten geholfen sein wird. Etwas mehr Selbstverständlichkeit und gesunder Menschenverstand im Umgang mit unseren Vierbeinern könnte man sich schon wünschen – ich tue es.

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