„du pâturage“

Berger des Pyrénées aus der Zuchtstätte von Udo Kopernik

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Die unveröffentlichte Kolumne

In der Dezemberausgabe der Hundewelt wollte ich mich eigentlich als Kolumnist von den Lesern der Zeitschrift verabschieden. Wenn dies nicht erfolgt ist, so liegt das weniger daran, dass ich nun diese Rubrik weiter füllen werde, sondern weil der Verlag darauf verzichtet hat, den kleinen Text zu veröffentlichen. Hole ich es also an dieser Stelle nach:

Rundum-Versorgung

Angebote, bei denen alles inklusive ist, sind heute beliebt und gelten als gutes Verkaufsargument. Ist ja auch angenehm, wenn man sich um nichts mehr kümmern muss; nur noch abholen. Da soll kein Wunsch offen bleiben und man kann sich permanent mit noch einem Getränk und noch einem Häppchen selbst belohnen. Wofür eigentlich? Einer Vielzahl unserer Hunde ergeht es ähnlich. Sie sind auch bei diesem Rundum-Glücklich-Paket angekommen. In den Augen ihrer Besitzer  zumindest, denn die Hunde fragt ja keiner. Und täte es jemand, erhielte man keine aufrichtige Antwort. Denn wie bei den meisten Lebewesen gehört auch bei Hunden die Erkenntnis „selbst fressen, macht fett“ zur Grundausstattung. So also werden sie tagein, tagaus von morgens bis abends durchs Leben gepäppelt; pardon: konditioniert. Denn das ist der eigentlich Zweck der Dauerversorgung mit Bröckchen und so genannten Leckerlis. Der Hund soll was lernen und wird für erwünschtes Verhalten mit einer kleinen Portion Futter belohnt. Und damit das immer und überall funktioniert gibt es für den Hundebesitzer ein großes Angebot an Zubehör. Praktische Beutelchen, die am Gürtel befestigt, einen entsprechenden Vorrat für unterwegs aufnehmen und aus dem, je nach Temperament des Anwenders, mehr oder weniger viele Verhaltensweisen des Hundes eine Belohnung erfahren. Da diese kleinen Portionen auch Kalorien enthalten, die sich in der Summe aufaddieren, muss die Menge dann vom „normalen“ Futter abgezogen werden. Je nach Intensität der Belohnungen, kann da im Napf nicht mehr viel drin bleiben. Für ein Lebewesen, was von der Grundausrüstung dafür gemacht ist, Futter zu verschlingen und auch längere Zeit einmal ohne Nahrungsaufnahme auszukommen, nicht unbedingt die optimale Ernährungsweise. Da mögen die Leckerlis noch so lecker sein. Richtig und dosiert eingesetzt, ist dies auch eine Methode, die nicht nur bei Hunden ausgezeichnet in der Dressur bzw. Ausbildung angewendet werden kann. Dann ist die Futterportion aber eben keine Belohnung sondern ein Verstärker, der für die Etablierung eines bestimmten Verhaltens eingesetzt wird. Ist dies nachhaltig erreicht, wird von versierten Trainern dieser Primärverstärker nur noch gelegentlich eingesetzt, was dessen Wirkung noch erhöht. Im Alltag erlebe ich aber leider häufig Beispiele, wo vieles durcheinander geraten ist. Da wird Erziehung munter mit Ausbildung vermischt und die vermeintliche Futterbelohnung auch dafür missbraucht, den Hund von möglichen Konfliktsituationen abzulenken. Eine echte Verhaltensbeeinflussung in dafür herbeigeführten Trainingssituationen findet dabei eben so wenig statt, wie die Vermittlung von Sicherheit und Geborgenheit durch Autorität. Die wird man bei einem Futterspender auch nicht erwarten. Was bleibt ist die Rundum-Versorgung, bei der mir am Ende die wenigsten wirklich glücklich erscheinen. Also doch nicht: alles inklusive? Dies soll die letzte Frage sein, die ich Ihnen, liebe Leser der HundeWelt, hier stelle. In neun Jahren habe ich an dieser Stelle jeden Monat ganz unterschiedliche Themen beleuchtet, die auch nicht immer direkt etwas mit dem Hund zu tun hatten, meistens jedoch ziemlich heftig. So sollte es ja auch sein. Dass es am Ende fast ein Jahrzehnt war, in der ich die Kolumne füllen durfte, erstaunt mich selbst am meisten. Für mich ist damit aber auch der Zeitpunkt gekommen, adieu zu sagen und andere Prioritäten zu setzen. Machen Sie es gut und lassen Sie es sich und Ihrem Hund gehen. Das mache ich jetzt auch, denn es gibt ein neues Mitglied in unserer Familie und klein Käthchen liefert mir täglich den Beweis, was Hunde noch lieber und mehr fressen als Leckerlis: Zeit.

Eine Antwort zu “Die unveröffentlichte Kolumne”

  1. Friederike Lang sagt:

    Lieber Herr Kopernik, wie schade, in Zukunft auf Ihre anregenden, doch heiteren Artikel verzichten zu müssen.
    Doch Ihre Motivation, ist sehr gut nachzuempfinden.
    Prioritäten zu setzen fällt vielen schwer und so versuchen sie alles zu meistern. Nur verpassen sie dabei, das so die Qualität oft auf der Strecke bleibt.
    Also bleibt mir nur, Ihnen meinen Glückwunsch und alles Gute für Ihr klein Käthchen, zu wünschen.

    Liebe Grüße
    Friederike Lang

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